Die verschiedenen Routen nach Santiago

Was ist eigentlich ein Jakobsweg und warum gibt es davon so viele?

In Deutschland nennen wir meist den traditionsreichen Camino Francés "Jakobsweg". Bekannt wurde er vor allem durch Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg". Allerdings gibt es viele Wege, die durch Europa ans Grab des Apostel Jakobus führen und somit auch verschiedene Jakobswege. Auf Spanisch heißt Weg "Camino" und Jakob "Santiago". Heute ist der Jakobsweg auch international unter seinem spanischen Namen "Camino de Santiago" bekannt.

Seit über 1000 Jahren pilgern Menschen aus ganz Europa nach Santiago de Compostela. So sind bekannte Hauptrouten entstanden, also verschiedenen "Caminos". Der Camino Portugues beispielsweise führt von Portugal nach Santiago. Der berühmte Camino Francés hat seinen Namen aber daher, das diese Hauptpilgerroute in Frankreich beginnt und Pilger in Spanien häufig pauschal als Franken (francos) bezeichnet wurden.

 

Kleine Geschichte der Jakobswege

Jakobus der Ältere, Rubens

Die historisch gewachsenen Jakobswege haben dabei immer auch die Kultur, Bevölkerung und Architektur der verschiedenen Regionen geprägt. Im Mittelpunkt der bewegten Geschichte der Jakobswege steht der Apostel Jakobus der Ältere, einer der zwölf Jünger Jesu und Bruder des Apostels Johannes.

Schon seit dem 7ten Jahrhundert wurde behauptet, Jakobus wäre nach Jesu Tod in Spanien als Missionar unterwegs gewesen. Nachdem Jakobus aus Spanien nach Jerusalem zurückkehrte, wurde er dort laut Apostelgeschichte von König Salomo geköpft und starb als Märtyrer. Es ranken sich viele Legenden um die Frage, wie die Überreste von Jakobus nach Spanien gelangten. Eine besagt, dass sein Gefolge ihn nach Santiago trug und ihn dort begrub. Eine andere besagt, dass die Gebeine Jakobs von einem führerlosen Schiff aus Stein transportiert wurden, welches in der Stadt Padrón anlegte.

Gefunden wurden die Überreste angeblich 814 von dem Einsiedler Pelagius, der von seiner Höhle des Nachts ein Licht im nahe gelegenen Wald aufleuchten sah. Er näherte sich und fand das Gerippe eines Menschen. Zunächst rief er den Bischof Theodemir an, der das Grab öffnete und, nachdem er gefastet und gebetet hatte, die Knochen als die des Jakobus identifizierte. Der Fund wurde dann von König Alfonso II von Asturien offiziell verkündet.

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Als das Gerippe des Apostels Jakobus in Galicien gefunden wurde, lagen die verschiedenen Reiche Spaniens in einer tiefen politischen Krise. Das hauptsächlich von iberischen und keltischen Stämmen besiedelte Land wurde immer wieder von Griechen, Römern, Phöniziern und Karthagern aufgesucht. Im 8ten Jahrhundert jedoch war ein muslimisches Heer von Nordafrika aus in die iberische Halbinsel eingedrungen. Die Armee bestand größtenteils aus nordafrikanischen Mauren, die von den Arabern zum Islam missioniert wurden, und eroberte in kürzester Zeit große Teile des spanischen Reiches.

Maurischer und Chrislicher Minnesänger

So war der Fund der Gebeine des Apostel Jakobus auch politisch opportun. Er bot die Gelegenheit, an die christliche Identität der anderen spanischen Reiche zu appellieren und sie in einer gemeinsamen Haltung gegen die muslimischen Mauren zu vereinen. Historiker gehen davon aus, dass der Jakobuskult eine nicht unwichtige Rolle in der Reconquista spielte – der Rückeroberung der großen Gebiete in Südspanien, die von Muslimen gehalten wurden. So wurde Jakobus auch immer wieder für den Kriegsdienst vereinnahmt. Während er zunächst als typischer Pilger dargestellt wurde, häuften sich bald Darstellungen von Jakobus mit erhobenem Schwert hoch zu Ross und spanische Heere zogen nicht selten unter seinem „Schutz“ gegen die Mauren in Südspanien zu Kriege.

Mittelalterliche Pilger

Der Jakobskult trat schnell erste Pilgerfahrten ans Grab des Apostels los. Der erste Pilger war angeblich König Alfonso II selbst, welcher über den heutigen Camino Primitivo nach Santiago pilgerte. Zu europäischer Bedeutung gelangte der Jakobsweg dann im 11ten Jahrhundert und der Camino Frances entstand als große Pilgerachse. Relativer ökonomischer Aufschwung und politische Ruhe ermöglichten eine Hochzeit der europäischen Pilgerbewegung. Auch waren Rom und Jerusalem als bedeutende Pilgerstätten weit entfernt oder vergleichbar gefährlicher. So wird geschätzt, dass zu mittelalterlichen Blütezeiten bis zu 1000 Pilger täglich an das Grab des Jakobus traten, Zahlen die mit den heutigen vergleichbar sind und diese eventuell manchmal überstiegen. Die Pilgerströme prägten Nordspanien nachhaltig und viele Spuren der mittelalterlichen Pilgerzeit sind noch heute zu finden.

Der Jakobsweg war für die Herrscher Nordspaniens auch von ökonomischem Interesse. Die Pilger brachten nicht nur Geld mit sich, mit ihnen verbreiteten sich auch neue Ideen, künstlerische Strömungen, bautechnische Erkenntnisse und Klatsch und Tratsch. Der Camino de Santiago diente schon im Mittelalter als Ort kultureller Verständigung zwischen den Reichen Europas. Viele Europäer siedelten entlang des Jakobwegs und besonders die Franken prägten viele Städte, beherrschten sie doch eine Baukunst, die der spanischen überlegen. So kam der Jakobsweg zu seinem Namen Camino Frances, „französischer Weg“.

Besonders in den Heiligen Jahren, die begangen werden, wenn der Festtag des Jakobus, der 25. Juli, auf einen Sonntag fällt, kamen große Menschenmassen nach Santiago de Compostela. Dies hatte eventuell auch einen pragmatischen Grund: Die Heiligen Jahre waren gleichzeitig Gnadenjahre, in denen den Pilgern alle Schuld erlassen wurde. Trotzdem wird davon ausgegangen, dass der Jakobsweg nicht nur religiöse Pilger anzog. Abenteurer und Vagabunden trieben sich vermutlich auf ihm herum, genauso wie Diebe und Betrüger. Die enorme Anzahl an Reisenden verstärkte eine christlich-europäische Identität und ermöglichte einen regen kulturellen Austausch.

Pilgergruppe vor der Kathedrale in Santiago

Ob der großen Pilgerströme wurde die Kirche mit der Grabkammer ab 1075 zu einer großen Kathedrale umgebaut. Sie hatte die Grundrisse der heutigen Kathedrale, ihr romanischer Stil wurde allerdings während der Renaissance durch zeitgenössische barocke Architektur ersetzt. Der erste bekannte Reiseführer über den Camino Frances stammt bereits aus jener Hochzeit und wurde im 12ten Jahrhundert – zumindest teilweise – von dem französischen Kleriker Aymeric Picaud verfasst. Hierin werden nützliche Hinweise und Warnungen zu Unterkünften und Hospitale gegeben, aber auch detaillierte und teils kuriose Beschreibungen der Bewohner verschiedener Regionen. So beschreibt er die Basken als „gottlos“ die Navarrrer würden „essen und trinken wie die Schweine“ und lediglich die Galicier halten seinem Urteil stand – wohl, weil sie seiner Ansicht nach am ehesten den Franzosen ähnelten.

1469 heirateten die beiden katholischen Monarchen Isabela I und Fernando II und vereinten Spanien. 1492 wurde die Reconquista abgeschlossen und Amerika „entdeckt“. Die Beulenpest und die Reformation sorgten allerdings dafür, dass die Reise nach Santiago immer mehr in Vergessenheit geriet und der Jakobsweg zunehmend gefährlicher zu begehen wurde. Ende des 16ten Jahrhunderts wurden die Reliquien von Jakobus gar vor dem Piraten Francis Drake versteckt. Sie wurden erst im späten 19ten Jahrhundert in den Mauern der Apsis entdeckt, als Pilgerbewegungen wiederaufzuleben versuchten und vom Papst schnell für echt erklärt.

Santiago grüßt vom Dach der Kathedrale

Der später von Franco begonnene Bürgerkrieg machte allen Pilgerbewegungen ein jähes Ende, als Spanien von France abgeschottet wurde. Trotzdem bekräftigte er, dass Jakobus den Nationalisten im Bürgerkrieg geholfen hatte und machte ihn per Dekret zum Schutzpatron Spanien. Nicht das erste Mal, dass Jakobus eine aktive Kriegsteilnahme zugesprochen wurde. Nach dem Tod Francos und der Öffnung Spanien regte sich wieder Interesse an dem Jakobsweg. Papst Paul II besuchte Santiago 1982 und der Jakobsweg wurde in den Heiligen Jahren 1993 und 1999 erfolgreich international dargestellt und 1993 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Verschiedene Publikationen und Pilgerberichte sowie Filme und Reportagen machten ihn später in verschiedenen Ländern bekannt. Dazu gehörten auch weit entfernte Länder, die weniger mit der europäischen Pilgertradition verbunden sind, wie die USA und Südkorea.

Camino Francés - der traditionelle Weg

Der Camino Frances ist die weltweit beliebteste Pilgerroute nach Santiago de Compostela. Die meisten Pilger beginnen ihre Reise in St. Pied de Port auf der französischen Seite der Pyrenäen, von wo es ca. 800 Kilometer nach Santiago sind. Seit 1993 gehört der Camino Frances zum UNESCO Weltkulturerbe.

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Von St. Pied de Port führt der Camino zunächst über das beeindruckende Bergmassiv der Pyrenäen in die Rioja. Diese fruchtbare Weinregion wird von der Meseta abgelöst: einer Hochebene, deren karge, aber intensive Landschaften faszinieren und weite Blicke ins Land ermöglichen. Später führt der Camino den Cebreiro-Pass hoch und verläuft über eine mystisch anmutende Gebirgskette, bevor er Galicien erreicht. Tausende kleine Dörfer und eine immergrüne Landschaft machen diese zu einer der schönsten Regionen Spaniens.

Der Camino Frances war schon im Mittelalter die Hauptroute der Pilger und ist geschichtlich und kulturell enorm dicht und faszinierend. Mittelalterliche Städte und Kirchen entlang des Weges sind die steinernen Zeugen einer bewegten Vergangenheit. Auch seine gute Infrastruktur und die Vielzahl an anderen Pilgern machen den Camino Frances für viele zur ersten Wahl.

Rucksäcke von wartenden Pilgern in Logroño

Die erste Blütezeit der Pilgerbegeisterung im 11ten Jahrhundert fällt mit dem Ausbau eines Handelswegs zusammen. König Sancho III. von Navarra bemühte sich um einen Weg über die Pyrenäen nach Nájera und bald wurden die Königsstädte Jara, Pamplona, Burgos und León durch die neue Pilgerroute verbunden.

Die mittelalterlichen Pilgerströme prägten Nordspanien nachhaltig und viele Spuren dieser bewegten Zeiten sind noch heute zu finden. Ausländische Kaufleute, Handwerker und Künstler siedelten sich entlang des Jakobsweges an. Diese wurden von vielen Spaniern einfach Franken genannt – auch wenn beileibe nicht alle Franken waren – und so erhielt der Jakobsweg den Namen Camino Frances. Die Baukunst der Franken war jener der meisten europäischen Länder überlegen und prägte bald die Architektur der Städte am Camino Frances. Darüber hinaus entstand eine Vielzahl an Hospitälern entlang des Camino Frances um kranke Pilger zu versorgen. Die Bedeutung und Größe von Städten wie Logroño, Burgos und Santo Domingo de la Calzada beruht auch auf ihrer Lage entlang des Camino Frances. Es mehrten sich Berichte über Wundererscheinungen und es wurden Reliquien erstanden, um die Orte religiös aufzuwerten. Der erste bekannte Reiseführer über den Camino Frances stammt bereits aus jener Blütezeit und wurde im 12ten Jahrhundert von dem französischen Kleriker Aymeric Picaud verfasst. Im „Codex Calixtinus“ gibt er nützliche Hinweise und Warnungen über Unterkünfte und Hospitale, aber auch detaillierte und teils kuriose Einschätzungen der Bewohner verschiedener Regionen.

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Caminho Portugués - Durchs schöne Portugal

Nach dem Camino Frances ist der Caminho Português der beliebteste Jakobsweg. Im Jahr 2017 wanderten hier bereits 22% aller Pilger. Die meisten Pilger beginnen ihre Wanderung nach Santiago des Compostela in Porto, aber mittlerweile gewinnt Lissabon als Ausgangspunkt der Wallfahrt an Beliebtheit.

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Der Camino wird in zwei Varianten angeboten: als Küstenweg und als traditioneller Weg durch das Landesinnere. Die Wege sind abwechslungsreich und führen entlang der Küste, wo Sandstrände zum Baden einladen, durch Weinberge und idyllische, portugiesische Dörfer, aber auch durch bedeutende Städte und über Flüsse, welche per Boot überquert werden. Mit Nordportugal und Galicien, durchquert der Camino zwei dicht besiedelte Regionen. So ist der portugiesische Jakobsweg kulturhistorisch bedeutend und bietet spannende Begegnungen mit Einheimischen und eine ausgereifte Infrastruktur. Der Camino Português ist perfekt für alle, die Strand, ländliche Idylle, Essen und Kultur genießen wollen und einen kürzeren Jakobsweg begehen möchten. Bereits im Mittelalter liefen einige Pilger, anstatt durchs Landesinnere, an der Atlantikküste entlang. Dieser Weg ist über die letzten zehn Jahre sehr beliebt geworden und hat sich in kürzester Zeit enorm gewandelt. Verbesserte Infrastruktur, deutliche Kennzeichnung und viele neue Unterkünfte sorgen nun auch hier für ein bewegendes Pilgererlebnis. Egal welchen Weg man wählt, es ist ein besonderes Erlebnis, die Grenze zwischen Portugal und Spanien fußläufig zu überqueren und die feinen Unterschiede in Architektur, Essen und Kultur zu bemerken. Mit nur 240 Kilometern ist der Caminho Português in ca. zwei Wochen zu absolvieren und auch wegen seiner Kürze für viele anziehend. Inzwischen hat sich ein dichtes Netz an Herbergen und Versorgungsmöglichkeiten entwickelt, was besonders für Erstpilger angenehm sein kann.

Durch die Verehrung des Apostel Jakobus entwickelte sich bereits im Mittelalter ein eigener Jakobsweg in Portugal. Allerdings lag das Land immer wieder mit seinem spanischen Nachbarn in teils kriegerischen Auseinandersetzungen und erschwerte die Pilgerschaft. Die Situation verbesserte sich, nachdem León im 12ten Jahrhundert den Anspruch auf Vorherrschaft über die Region aufgab und Portugal formal unabhängig wurde. Auch die portugiesische Königin Isabella pilgerte im Jahr 1325 nach dem Tod ihres Mannes Dinis von Portugal nach Santiago. Der Jakobsweg folgt romanischen Straßen, die bereits im ersten Jahrhundert angelegt wurden und mit Städten wie Porto, Tui und Pontevedra finden sich auf dem portugiesischen Jakobsweg viele geschichtsträchtige Orte. Zwar beginnen die meisten ihre Pilgerfahrt in Porto, jedoch wächst das Interesse an einem Start in der Hauptstadt Lissabon. Hier gibt es inzwischen einen offiziellen und ausgeschilderten Weg; dieser führt noch häufig über asphaltierte Landstraßen und auch wenn die Zahl an Herbergen stetig wächst, muss man doch wiederholt in Hotels einchecken oder, wenn gespart werden soll, bei der Freiwilligen Feuerwehr unterkommen. Der Weg von Lissabon führt durch Fatima, ein eigener Wallfahrtort, der für seine zahlreichen Marienerscheinungen bekannt ist, und bietet somit für religiös motivierte Pilger einen besonderen Reiz.

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Camino del Norte - Entlang der spanischen Nordküste

Der Camino del Norte, oder Küstenweg, gilt als die erste europäische Pilgerroute zum Grab des Jakobus. Bekannt ist er besonders für seine landschaftliche Schönheit. Zwar können das raue Küstenklima und die Steigungen beizeiten eine Herausforderung darstellen, jede Anstrengung wird den Pilgern aber mit einzigartigen Naturerlebnissen entlohnt.

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Der Küstenweg ist weit ruhiger als der Camino Frances und passend für alle, die Ruhe und Abgeschiedenheit wertschätzen. Landschaftlich ist er kaum zu übertreffen: Aus der beeindruckenden Bergwelt des Baskenlandes führt der Küstenweg die wilde Atlantikküste entlang, nicht selten geht es über lange Sandstrände, die im Sommer zum Baden einladen. In idyllischen Küstenstädten werden frische Meeresfrüchte serviert und man durchquert Kulturstädte wie San Sebastian und Bilbao, bevor der Weg schließlich ins fruchtbare Inland führt.
Der Camino del Norte ist ein besonderes Highlight für Naturliebhaber, Feinschmecker und gut trainierte Pilger, die gerne auch in Abgeschiedenheit pilgern.
Der Küstenweg durchkreuzt das Baskenland (País Vasco), Kantabrien (Cantabria), Asturien (Asturias) und Galicien (Galicia). Der Camino del Norte wurde früher Camino de la Costa (Küstenweg) genannt und erst wenn er in Galicien Richtung Inland schlägt, als Camino del Norte (Nordweg) bezeichnet. Heute haben sich beide Bezeichnungen durchgesetzt und werden meist gleichbedeutend verwendet. Die meisten Pilger beginnen den Camino del Norte in Irún, direkt an der französischen Grenze, von wo es 840 Kilometer bis nach Santiago sind. Seit 2015 ist der Camino del Norte Teil des UNESCO Kulturerbe.
Entlang des Küstenwegs können San Sebastian, Bilbao und Santander erkundet werden – lebendige Städte voller Kultur und Geschichte. Für Feinschmecker ist der Küstenweg  besonders verlockend, denn das Baskenland ist für seine feine Küche bekannt und entlang des ganzen Weges kann man frischen Fisch und Meeresfrüchte genießen.
An der Küste kann es viel Regen geben, aber dafür ist es auf dem Camino del Norte im Sommer weniger heiß und ein kurzes Bad im Atlantik hat noch jeden Pilger erfrischt. Im

Jahr 2017 entschieden sich nur 6% aller Pilger für diese Route, trotz ihrer vielen Vorzüge. So gilt der der Camino del Norte für viele als absoluter Geheimtipp. Unterkünfte und Verpflegungsmöglichkeiten sind inzwischen überall ausreichend vorhanden, wenn auch es bedeutend weniger sind, als auf dem Camino Frances.
Der Camino del Norte hat eine Vielzahl an Alternativrouten, welche die Küste entlang gehen, anstatt durch Ortschaften zu führen. Viele dieser Alternativen sind sehr beliebt und manche inzwischen ausgeschildert. Ob all der verschiedenen Möglichkeiten, fällt die Entscheidung an Weggablungen manchmal schwer und manche Alternativroute lässt Hinweisschilder vermissen. Ein wenig Vorbereitung und ein aktueller Reiseführer sind hier hilfreich. Es ist ebenfalls möglich den Küstenweg Richtung Oviedo zu verlassen und dort dem Camino Primitivo nach Santiago de Compostela zu folgen.

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Via de la Plata - 1000km durch Spanien

Die Vía de la Plata ist mit knapp 1000 Kilometern der längste Jakobsweg. Er verläuft entlang einer bedeutenden Handelsstraße der Römer, welche Sevilla im südlichen Andalusien mit Astorga im Norden verbindet. Römische Bauwerke und Grabungsstätten zeugen von der Vergangenheit. Die Vía de la Plata bezaubert Pilger mit ihren einzigartigen Landschaften, die sie durchläuft und ihrer ursprünglich-authentischen Pilgeratmosphäre.

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Die Vía de la Plata war bereits im Mittelalter ein beliebter Pilgerweg. Sie führt durch altes römisches Siedlungsgebiet, das später von maurischer Kultur und Architektur geprägt wurde und ist kulturhistorisch hoch interessant. Sie zieht jene an, die unberührte Natur, weite Blicke ins Land und die mittelalterlichen Städte entlang des Weges genießen wollen. Die Wegstrecken sind teils einsam und verlangen den Pilgern einiges ab – so hat die Route den Ruf nicht ganz einfach zu sein. Wahrlich ist der Weg hier noch ein kleines Abenteuer. Die übersichtliche Zahl der Pilger ermöglicht es, schnell vertraute und intensive Bekanntschaften aufzubauen, die viele Pilger so wertschätzen. So wechseln sich intensive Naturerfahrungen, mit bedeutenden antiken und mittelalterlichen Städtchen wie Mérida, Zamora Salamance und Ourense ab.

Vía de la Plata würde wörtlich übersetzt „Weg des Silbers“ bedeuten. Doch auch wenn dieser Name für eine alte Handelsroute naheliegend scheint, ist er eigentlich irreführend. Vielmehr nutzten die Mauren die römische Handelsstraße, sobald sie sich im frühen 8ten Jahrhundert in Spanien niederließen, und gaben ihr den Namen bal´latta, was „breit gepflasterter Weg“ bedeutet. Der Name „Vía“ wies auf den römischen Ursprung hin.

Tatsächlich stammt die Route bereits aus der Bronzezeit und wurde von Jägern verwendet um den Wildwechseln zu folgen. Auch die Phönizier nutzten die Straße schon vor den Römern, besonders zum Transport von Edelmetallen. Später wurde die Straße von den Römern befestigt, nachdem sie im 2ten Jahrhundert die iberische Halbinsel eroberten. Sie pflasterten die Straße und legten bedeutende Städte an, wie Sevilla, Mérda und Salamance. Später trieben Hirten ihre Herden von Kastilien ins südliche Extremadura, sobald der Winter einbrach – eine Tradition, der noch heute gefolgt wird. Auf der Vía de la Plata läuft man also auf den Spuren einer langen Geschichte.

Die Vía de la Plata verläuft durch Andalusien, Extremadura, Kastilien und León nach Galicien. Nach 700 Kilometern können die Pilger entweder nach Astorga im Norden pilgern und dem Camino Frances folgen oder aber gen Westen abbiegen und Santiago de Compostela über Ourense erreichen. Die alte Römerstraße führte nach Astorga, doch heute werden beide Wege unter Vía de la Plata geführt. Eine andere Bezeichnung ist „Mozarabischer Weg“, nach den im maurisch und islamisch geprägten Süden lebenden Christen, die sich im Mittelalter nach Santiago aufmachten und Mozaraber genannt wurden.

Die Vía de la Plata zieht viele erfahrende Pilger an, die sich weg vom Trouble des Camino Frances, auf abgeschiedene Pfade begeben wollen. Aber auch immer mehr neue Pilger entscheiden sich für diese Route, was oft für eine überaus spannende und inspirierende Atmosphäre sorgt. Die Infrastruktur auf dieser Route ist nicht so ausgebaut wie beispielsweise auf dem Camino Frances, aber hält alles bereit, was der müde Pilger erwartet und schafft vielerorts die authentische Pilgeratmosphäre, die viele so wertschätzen.

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Camino Fisterra - Bis ans Ende der Welt

Sonnenaufgang in der Bucht von Fisterra

Schon im Mittelalter liefen viele Pilger von Santiago weiter Richtung Meer. Nicht nur hatten viele noch nie den Atlantik gesehen, Fisterra an der Atlantikküste galt damals als der westlichste Punkt der Erde und somit als das Ende der Welt.

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Im Meer vor Fisterra diente eine rituelle Waschung als Zeichen des Endes ihrer Pilgerreise. Außerdem wird vermutet, dass viele eine Jakobsmuschel von Strand mitbrachten, als Beweis ihrer Pilgerreise und Andenken – ein Brauch der noch heute in anderer Gestalt anhält.

Von Santiago führt der Camino über 90 Kilometer durch dünn besiedeltes Land und häufig unberührte Naturidylle. Die raue Atlantikküste hat eine wild-grüne Landschaft geschaffen, welche die Menschen schon lange in ihren Bann zog. Bereits in vorchristlicher Zeit bezeichneten die Menschen dieser Gegend als heilig und schrieben ihr besondere Wirkungen zu. Die Kelten verehrten hier die Sonne und vollzogen verschiedenste Riten. Noch heute finden sich überall keltische Steine und die Atmosphäre ist unleugbar einzigartig.

Heute ist es Brauch den 0 Kilometerstein am Leuchtturm von Fisterra zu besuchen und den Sonnenuntergang von den Felsen aus zu beobachten. Noch bis vor Kurzem verbrannten Pilger ihre Kleidung am Strand und ließen ihre Schuhe zurück, vielleicht als Zeichen der Befreiung nach einer langen Pilgerfahrt. Diese Tradition wurde vor einigen Jahren von den spanischen Behörden untersagt.

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Camino Mozárabe

Der Camino Mozárabe beginnt in Granada und verläuft durch Andalusien nach Mérida, wo er sich mit der Via de la Plata verbindet. Er ist einer der „neuesten“ Jakobswege – 1999 wurde zunächst die Strecke von Granada nach Córdoba mit gelben Pfeilen ausgestattet und später die Strecke von Córdoba bis nach Mérida ausgeschildert.

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Auf dem ersten Teil folgt der Camino Mozárabe der sog. Route des Kalifats (Ruta del Califato), welche eine rege Handelsroute zwischen den beiden wichtigen arabischen Zentren Granada und Córdoba darstellte.
Eine Wanderung hier kann anstrengend sein. Es geht auf und ab durch verschiedene kleinere Bergketten, wie die Sierra Sierra Subbética und die Sierra Morena hinter Córdoba. Erst ein gutes Stück hinter Córdoba ändert sich dies. Die Landschaft ist vor allem durch weite Olivenhaine geprägt. Auf dem Camino Mozárabe gibt es noch nicht sonderlich viele Pilger und allgemein ist die Region spärlich besiedelt, so dass man teilweise sehr wenige Menschen trifft.

Mit Granada und Córdoba liegen zwei wunderschöne, andalusische Städte an dem Camino Mozárabe. Die maurischen Einflüsse auf Architektur haben hier ihren Höhepunkt gefunden. Besonders lassen sich diese in der Kathedrale (und ehemaligen Moschee) von Córdoba bewundern und der Alhambra in Granada, welche Stadtburg gleichzeitig Palast, Festungsanlage und Moschee beinhaltete. Zusätzlich zu 15-16 Lauftagen sollte man also einige Extranächte einplanen.


Der Weg ist zwar gut ausgeschildert, aber wer hier pilgert sollte etwas Einsamkeit suchen. Auch gibt es noch wenige Pilgerherbergen und man ist auf normale Gasthäuser und Hotels angewiesen. Dies kann teilweise auch dazu führen, dass man längere Tagesetappen von über 30 km zurücklegen muss.Aufgepasst: Der Camino Mozárabe und die Via de la Plata führen durch die Extremadura („extrem hart“), welche ihren Namen nicht umsonst trägt. Im Sommer wird es hier sehr heiß und es gibt nur wenig schattenspendende Vegetation. Eine gute Vorbereitung ist also besonders wichtig.

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Via Podiensis

Blick auf Le Puy mit Marienstatue

Die Via Podiensis verläuft von Le Puy in Frankreich zum Ausgangspunkt des Camino Francés in St. Jean Pied de Port. Er ist eine der ältesten Jakobswege und brachte Pilger aus Nordeuropa und Frankreich zum Sammelpunkt in St. Jean Pied de Port.

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Von den vier Haupt-Pilgerrouten in Frankreich gilt die Via Podiensis als die schönste. Schon im Jahre 951 pilgerte der Bischof Godeschalk von Puy über diese Route gen Santiago de Compostela. Die Via Podiensis wurde auch im Codex Calixtinus, dem ersten „Pilgerführer“ über den Jakobsweg aus dem 12ten Jahrhundert, erwähnt. Der Name „Podiensis“ leitet sich von dem latainischen „podium“ ab und führte zum Wort „le puy“, was im Französischen für einen vulkanischen Berg steht.
So beginnt dieser Jakobsweg in Frankreich in der Region Auvergne, geprägt durch das französische Zentralmassiv, welches hier vulkanischen Ursprungs ist.
Die Via Podiensis wurde 1889 von UNESCO zum Weltkulterbe ernannt. Der genaue mittelalterliche Jakobsweg konnte zwar wegen späteren Straßenbaus nur teilweise nachvollzogen und geschützt werden. Stattdessen wurden aber wichtige historische Gebäude, verbunden mit der Pilgertradition, unter Denkmalschutz gestellt. Dazu gehört beispielsweise die Kathedrale Norte-Dame in Le Puy-en-Valey.
Die Landschaft durch den der Jakobsweg dann führt ist abwechslungsreich: Die vulkanische Landschaft in Valey, das liebliche Lot-Tal, die Hochebene von Causses aus Kalkstein, bis zu den hügeligen, grünen Ausläufern der Pyrenäen.

Landschaft in der Auvergne

Die Via Podiensis ist knapp über 1000 Kilometern lang und verläuft in weiten Teilen entlang des Fernwanderweges GR65. Die Ausschilderung ist gut und es gibt zahlreiche Unterkünfte, allerdings wenige Pilgerherbergen, wie man sie vielleicht aus Spanien kennt. Das Budget für Unterkunft muss dementsprechend ein wenig höher sein.

 

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Camino Primitivo

Camino Primitivo kann als „Der Ursprüngliche Weg“ übersetzt werden. Er trägt diesen Namen heute, weil auf ihm die ersten Pilgerreisen nach Santiago innerhalb Spaniens unternommen wurden. König Alfonso II., welcher den Fund der Überreste des Jakobus öffentlich verkündet hatte, machte sich im 9ten Jahrhundert über den Camino Primitivo nach Santiago auf.

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Den königlichen Schritten zu folgen ist oft eine Herausforderung: Der Camino Primitivo führt über hohe Berge und hat oft ein anspruchsvolles Wegprofil, was ihm den Ruf des schwersten Jakobsweges eingebracht hat. Aber die grandiosen Ausblicke über grüne Täler und unberührte Natur machen jede Anstrengung wett. Die überschaubare Zahl an Pilgern ermöglicht intensive Begegnungen mit anderen und sich selbst.
Der Camino Primitivo ist mit ca. 370 Kilometern vergleichbar kurz, aber auch wegen seiner Höhenunterschiede weit weniger besucht als andere Jakobswege. Besonders für trainierte Pilger, Naturliebhaber und jene, die eine besondere Pilgererfahrung suchen ist er eine gute Wahl.
Der Camino Primitivo ist über weite Strecken eher ein Bergwanderweg. Auch wenn keine besonderen Erfahrungen vonnöten sind, ist eine gute Vorbereitung hilfreich. Manchmal müssen die Pilger hier auf unbefestigten Wegen laufen und gutes Schuhwerk und eine solide Kondition sind wichtig. Die Infrastruktur ist zwar weit weniger dicht als auf dem Camino Frances, aber inzwischen vollkommen ausreichend um sorgenfrei zu pilgern. Die Etappen sollten trotzdem vorgeplant sein, nicht immer gibt es Versorgungsmöglichkeiten auf dem Weg.
Der Camino Primitivo ist besonders etwas für Liebhaber der Berge und jene, die sich mit dieser vergleichbar anstrengenden Strecke etwas fordern wollen. 4% aller Pilger liefen im Jahr 2017 auf dem Camino Primitivo. Die Abgeschiedenheit des Weges macht seinen Zauber aus und für viele ermöglicht der Camino Primitivo die Erfahrung des „ursprünglichen“ Pilgerns.

Camino Inglés

Der Camino Inglés (englischer Weg) hat seinen Namen von den mittelalterlichen Pilgern, welche aus England, Irland aber auch anderen nordischen Ländern an der galicischen Küste ankamen. Die meisten landeten in A Coruña, ein kleinerer Anteil in Ferrol. Die Route entstand aus einer praktischen Kombination von Motiven: Handelsschiffe auf dem Weg nach A Coruña nahmen Gläubige an Bord, welche dann nur noch eine kurze Strecke nach Santiago zurücklegen mussten.

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Heute beginnen die meisten Pilger ihre Reise in Ferrol. Diese längere Strecke ist ansprechender und außerdem berechtigt sie einen, die Compostela zu erhalten, da sie über 100 km lang ist.
Der Camino Inglés ist landschaftlich überaus ansprechend und heute eine tolle Alternative für Pilger die Abgeschiedenheit suchen. Noch sind die Zahlen von Mitpilgern niedrig. Der Weg führt zunächst entlang in Küstennähe und über verschiedenen Mündungsgebiete ins galicische Hinterland. Dieses präsentiert sich von seiner gewohnt schönen Seite: grün, fruchtbar mit urigen Wäldern und kleinen, pittoresken Dörfern.